Immer nah dran an den Menschen gewesen

95. Geburtstag des früheren Bezirksvorstehers Walter Höh
 
Was im Stuttgarter Osten vor sich geht, verfolgen Walter Höh und seine Frau Charlotte aufmerksam, wenn auch mit größerer Gelassenheit als in jüngeren Jahren. Der frühere Bezirksvorsteher hat am 10. Juli seinen 95. Geburtstag gefeiert.
Von 1969 bis 1983 hat der Sozialdemokrat als Bezirksvorsteher die Entwicklung in Stuttgart-Ost mit geprägt und dabei viel Weitblick bewiesen. So machte er sich dafür stark, dass die Tiefgarage am Ostendplatz drei statt nur einem Stockwerk bekam. Die Baumalleen in der Ostend- und der Wagenburgstraße bestanden damals schon, waren aber durch die darunter parkenden Autos gefährdet. Sie wurden schließlich zu den Mittelstreifen in der heutigen Form umgestaltet, gegen zahlreiche Widerstände, aber zum Wohl der Bäume. „Da hab ich einige gerettet“, sagt Walter Höh. Dass er den Vereinen und auch vielen einzelnen Menschen ganz direkt helfen konnte, ist für ihn im Rückblick das Wichtigste an der Bezirksvorsteher-Tätigkeit gewesen. Seine Frau arbeitete ihm sozusagen als „Mädchen für alles“ zu und war in der Stadt bald ähnlich bekannt wie ihr Mann.

Walter und Charlotte Höh haben sich schon als Kinder gekannt, beide gehörten zu einem Kreis von Familien, die am Wochenende im Waldheim Heslach zusammenkamen. Als junge Erwachsene trafen sie sich wieder. Dann kam der Krieg und Walter Höh musste direkt vom Wehrdienst an die Front. Als er 1942 zur Genesung vom Fleckfieber in Stuttgart war, hat das Paar geheiratet.
In den Stuttgarter Osten sind sie nach dem Krieg gezogen, seit 1956 wohnen sie in ihrer Wohnung in der Schwarenbergstraße, wo auch Sohn und Tochter aufgewachsen sind. Walter Höh hatte Werkzeugmacher gelernt, wurde später Betriebsratsvorsitzender bei Wizemann, dann arbeitete er im Gewerbeaufsichtsamt und im Sozialministerium. Wie er zum Ehrenamt des Bezirksvorstehers kam? „Eines schönen Tages hat es geheißen, das sollte man auch noch machen“, erzählt er. Es war nicht sein einziges Engagement, Höh war schwer unterwegs mit der Partei und der Gewerkschaft, war Schöffe, Geschworener und mehr. 1984 bekam er das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.              aia
 
Walter höh1:  Der frühere Bezirksvorsteher Walter Höh hat seinen 95. Geburtstag gefeiert.     Foto: aia
Walter Höh2: Er war Bezirksvorsteher, sie sein „Mädchen für alles“: Walter und Charlotte Höh.        Foto: aia